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Herr Schönbein - gestatten Sie noch ein paar Fragen .........?
"Herr Schönbein, Sie sind am 18.Oktober 1799 in Metzingen geboren?"
Ja, das stimmt, im Gebäude Reutlinger Straße 2. Mein Vater hatte das Anwesen drei Jahre zuvor erworben und im Erdgeschoß eine kleine Färberei eingerichtet. 1818 mußten wir das Haus aus Geldnot verkaufen.
"Da lebten Sie aber schon nicht mehr in Metzingen?"
Nein. Mit 14 Jahren schickten mich meine Eltern, nach dem Besuch der Volksschule, in die Lehre. Sieben harte Jahre habe ich dort in Böblingen zugebracht, der Arbeitstag dauerte von 6 Uhr früh bis 19 Uhr abends und ich habe mich oft nach Metzingen zurückgesehnt. Meine freie Zeit benützte ich, um Lateinisch zu lernen und meine lückenhafte Schulausbildung auszugleichen.
"Haben Sie Ihren erlernten Beruf auch ausgeübt?"
Nur kurze Zeit in Augsburg, dann wechselte ich nach Hemhofen bei Erlangen als Fabrikdirektor.
"Sie suchten die Nähe der Universität?"
Die Fächer Physik und Chemie faszinierten mich. Bedenken Sie die Zeit- Volta, Davy und andere machten wegweisende Entdeckungen - es herrschte Aufbruchstimmung. Ich wollte an einer richtigen Universität studieren. Und so wanderte ich schon mal alle 14 Tage nach Erlangen, um Physik und Mathematik zu hören. 1821 ging ich dann nach Tübingen zu Prof.Gmelin und 1823 begann ich als ordentlicher Student in Erlangen Philosophie und Physik zu studieren. Nachdem ich meine Sprachkenntnisse verbessert hatte, konnte ich auch in London und Paris Vorlesungen besuchen. Ich habe Testate von Prof. Ampère und Prof. Gay-Lussac (Gasgesetze und Maßanalyse).
"Herr Professor Schönbein, Sie sind Ehrendoktor der Universitäten Tübingen, Feiburg und Basel, Sie haben in Basel bedeutende wissenschaftliche Leistungen vollbracht - ich denke an die Entdeckung der Schießbaumwolle, des Kollodiums, des Ozons!"
Die Schießbaumwolle hat mir am meisten Spaß gemacht. 1846 behandelte ich erstmals rohe, gereinigte Baumwolle (Zellstoff) mit einem Gemisch aus rauchender Salpetersäure und konz. Schwefelsäure und erhielt nach dem Auswaschen und Trocknen eine lockere, weiße Wolle, die auf Schlag heftig explodiert und beim Anzünden blitzartig und rückstandsfrei abbrennt. Man konnte damit eine ganze Menge Schabernack treiben. Ich bin aber sicher, dass sich daraus ein neuer brisanter Schieß- und Sprengstoff entwickeln läßt. Wenn man die Zellulose weniger scharf nitriert, erhält man Kollodium, das man nach weiterer Bearbeitung als Klebepflaster für Wunden benützen kann. 1839 berichtete ich dann der Naturforschenden Gesellschaft in Basel über ein neues, süßlich riechendes Gas, das ich OZON (griech. = das Riechende) nannte. Die Analyse des Ozons ist mir allerdings nicht gelungen, schade. Überhaupt interessiert es mich, was aus meinen Entdeckungen geworden ist?
"Ich werde versuchen, Ihnen zu antworten: 1875 gewann Alfred Nobel durch Auflösung Ihrer Schießbaumwolle in Nitroglycerin eine Sprenggelatine, die von 1888 an das alte Schießpulver im Heer endgültig ablöste und heute den Bau automatischer Waffen mit hoher Schußfolge möglich machte. Das Kollodium wurde zum Grundstoff von "Kunstfasern" wie Nitroseide oder Acetatseide. Mit der Entdeckung des Ozons schließlich haben Sie einen ganzen Forschungsbereich eröffnet, seit 1899 kennen wir die Molekülmasse und die Struktur des Ozonmoleküls. Wir wissen, dass Ozon eine besondere Form des Sauerstoffs ist und in der Stratosphäre in etwa 22 bis 25 km Höhe einen Schutzschild gegenüber einfallender Strahlung darstellt. Es beunruhigt uns sehr, dass dieser Schutz heutzutage immer schneller dünner und durchlässiger wird."
Nun, es freut mich, dass meine Entdeckungen nicht vergessen sind und dass ich ein paar Bausteinen zum Gebäude der Chemie beitragen konnte.
(Auszüge aus einem fiktiven Gespräch unseres Chemielehrers Werner Fitz mit Herrn Schönbein)
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